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![]() | AnneMari | ![]() 31.07.26 23:05 |
Beschäftigen wir uns zur Abwechslung mal mit Texten, die ev. zum Nachdenken anregen. | ||


![]() | AnneMari | 02.10.26 13:38 |
Siddhartha von Hermann Hesse (aus dem Kapitel: Der Fährmann)(Jahr: 1922) | ||


![]() | AnneMari | 02.10.26 20:49 |
Das Glasperlenspiel von Hermann Hesse (1943) | ||


![]() | AnneMari | 04.10.26 22:18 |


![]() | AnneMari | 05.10.26 01:27 |
Thumbs up


![]() | AnneMari | 06.10.26 18:37 |


![]() | AnneMari | 06.10.26 18:38 |
„Wir wollen immer etwas werden, wir wollen uns entwickeln, wir wollen Wege gehen und Ziele erreichen. Das ist der Ur-Irrtum unseres Geistes. Jedes Wollen, jedes Suchen, jedes Angestrengt-sein auf ein Ziel hin macht uns nur blinder für das, was ist. Wir versuchen verzweifelt, eine Freiheit zu erlangen, die wir im Kern nie verloren haben. Erst wenn das unruhige Fragen aufhört, wenn der Verstand seine Raster von Raum und Zeit fallen lässt und das Suchen kollabiert, stehen wir in der zeitlosen Gegenwart. Wir müssen nicht werden, was wir sind. Wir sind es immer schon gewesen, und jede Suche nach einem Weg hält uns nur auf dem Kinderkarussell der eigenen Einbildung gefangen.“ - HERMANN HESSE - | ||


![]() | AnneMari | 07.10.26 19:16 |


![]() | AnneMari | 07.10.26 21:57 |
Erinnerungen Erinnerungen sind wie Lichter, die auf dem Fluss des Lebens treiben. Sie begleiten uns leise, manche hell und warm, andere still und kaum zu sehen. Jedes Licht erzählt eine Geschichte von Menschen, Momenten und Wegen, die unser Herz für immer berührt haben. Sie kommen und gehen, manche bleiben für immer in unserer Nähe. Wenn wir innehalten und schauen, erkennen wir: Nichts ist wirklich verloren. Es wir nur verwandelt - in Licht, das weiterleuchtet. So tragen wir sie weiter in Gedanken, in Gefühlen in uns. Denn die Liebe ist ewig. Sie wird Erinnerung. Und Erinnerung ist Licht. | ||


![]() | AnneMari | 07.10.26 22:26 |


![]() | AnneMari | 10.10.26 06:10 |


![]() | AnneMari | 11.10.26 02:53 |
Erich Kästner: „Stimmen aus dem Massengrab"Da liegen wir und gingen längst in Stücken. Ihr kommt vorbei und denkt: sie schlafen fest. Wir aber liegen schlaflos auf dem Rücken, weil uns die Angst um Euch nicht schlafen lässt. Wir haben Dreck im Mund. Wir müssen schweigen. Und möchten schreien, bis das Grab zerbricht! Und möchten schreiend aus den Gräbern steigen! Wir haben Dreck im Mund. Ihr hört uns nicht. Ihr hört nur auf das Plaudern der Pastoren, wenn sie mit ihrem Chef vertraulich tun. Ihr lieber Gott hat einen Krieg verloren und lässt euch sagen: Laßt die Toten ruhn! Ihr dürft die Angestellten Gottes loben. Sie sprachen schön am Massengrab von Pflicht. Wir lagen unten, und sie standen oben. „Das Leben ist der Güter höchstes nicht." Da liegen wir, den toten Mund voll Dreck. Und es kam anders, als wir sterbend dachten. Wir starben. Doch wir starben ohne Zweck. Ihr lasst Euch morgen, wie wir gestern, schlachten. Vier Jahre Mord, und dann ein schön Geläute! Ihr geht vorbei und denkt: sie schlafen fest. Vier Jahre Mord, und ein paar Kränze heute. Verlasst Euch nie auf Gott und seine Leute! Verdammt, wenn ihr das je vergeßt! 1928 Bilder: Collage aus einer Fotografie und Bildern von Otto Dix | ||


![]() | AnneMari | 11.10.26 02:56 |
Kennst du das Land wo die Kanonen blühn (Erich Kästner) | ||


![]() | AnneMari | 11.10.26 02:57 |
Joachim Ringelnatz: „Was dann ?" Wo wird es bleiben, Was mit dem letzten Hauch entweicht? Wie Winde werden wir treiben - Vielleicht!? Werden wir reinigend wehen? Und kennen jedes Menschen Gesicht. Und jeder darf durch uns gehen, Erkennt aber uns nicht. Wir werden drohen und mahnen Als Sturm, Und lenken die Wetterfahnen Auf jedem Turm. Ach, sehen wir die dann wieder, Die vor uns gestorben sind? Wir, dann ungreifbarer Wind? Richten wir auf und nieder Die andern, die nach uns leben? Wie weit wohl Gottes Gnade reicht. Uns alles zu vergeben? Vielleicht? Vielleicht! Bilder: Walter Ophey | ||


![]() | AnneMari | 11.10.26 03:01 |
Joachim Ringelnatz: „Zu Dir“Rezitation: Frank Suchland von der CD „Momento – Gedichte für den Augenblick“ Sie sprangen aus rasender Eisenbahn Und haben sich gar nicht weh getan. Sie wanderten über Geleise, Und wenn ein Zug sie überfuhr, Dann knirschte nichts. Sie lachten nur. Und weiter ging die Reise. Sie schritten durch eine steinerne Wand, Durch Stacheldrähte und Wüstenbrand, Durch Grenzverbote und Schranken Und durch ein vorgehaltnes Gewehr, Durchzogen viele Meilen Meer. – Meine Gedanken. – Ihr Kurs ging durch, ging nie vorbei. Und als sie dich erreichten, Da zitterten sie und erbleichten Und fühlten sich doch unsagbar frei. Bilder: Fotocollage | ||


![]() | AnneMari | 11.10.26 03:03 |
Hermann Hesse: „Altwerden“ll der Tand, den Jugend schätzt, Auch von mir ward er verehrt, Locken, Schlipse, Helm und Schwert, Und die Weiblein nicht zuletzt. Aber nun erst seh ich klar, Da für mich, den alten Knaben, Nichts von allem mehr zu haben, Aber nun erst seh ich klar, Wie dies Streben weise war. Zwar vergehen Band und Locken Und der ganze Zauber bald; Aber was ich sonst gewonnen, Weisheit, Tugend, warme Socken, Ach, auch das ist bald zerronnen, Und auf Erden wird es kalt. Herrlich ist für alte Leute Ofen und Burgunder rot Und zuletzt ein sanfter Tod - Aber später, noch nicht heute. Bilder: Collage eines Fotos mit Bildern von Pablo R. Picasso aus der "blauen Periode" | ||


![]() | AnneMari | 12.10.26 01:26 |
Joachim Ringelnatz: Schenken (Gedicht, mit Kurzportrait, BR)Joachim Ringelnatz (1883-1934) SchenkenSchenke groß oder klein, Aber immer gediegen. Wenn die Bedachten Die Gabe wiegen, Sei dein Gewissen rein. Schenke herzlich und frei. Schenke dabei Was in dir wohnt An Meinung, Geschmack und Humor, So dass die eigene Freude zuvor Dich reichlich belohnt. Schenke mit Geist ohne List. Sei eingedenk, Dass dein Geschenk Du selber bist. | ||


![]() | AnneMari | 15.10.26 18:50 |
Kurt Tucholsky: „Autarkie“ (1931)Rezitation: Jürgen Goslar Im Juni hat noch keiner gewußt, was Autarkie bedeutet; heut hebt sich jede deutsche Brust, wenn das Schlagwort herunterläutet: Autarkie! Wir schließen einfach die Grenzen zu. Dann hat die liebe Seele Ruh. Appelsinen, jroße un kleene, die machen wir uns alleene.
Kohlrüben wachsen bei uns zu Hauf. Für uns ist nichts zu schade. Wir rauchen still unser Sofa auf, mit Maikäfer-Marmelade. Autarkie! Autarkie! Wir schuften für Zins und für Zinseszins, und wir bleiben eine kleine Provinz. Paris is ja so jemeene! Wir machen uns allens alleene.
Dann halten wir fest das Proletenpack: beherrscht von Bürokraten, von Banken und Knüppel aus dem Sack, von Polizei und Soldaten. Kräht der Adler auf dem Mist: Autarkie! ändert sichs Wetter, oder es bleibt wie es ist – Autarkie! Für Pleite, Not und Kirchhofsruh – brauchen wir etwa das Ausland dazu? Diese Wirtschaftskapitäne, die machen det janz alleene.
Geschrieben als Theobald Tiger für Die Weltbühne 11.08.1931 Bilder: A. Paul Weber -*1893 - †1980 | ||


![]() | AnneMari | 15.10.26 18:54 |
Kurt Tucholsky: „Die Herren Eltern“ (1932)Rezitation: Jürgen Goslar Ist ein Schullehrer Pazifist und sagt, wie es in Wahrheit im Kriege ist –: dass Generale Kriegsinteressenten sind, ganz gleich, wer verliert; ganz gleich, wer gewinnt ... dann – sollte man meinen – freun sich die Eltern für ihr Kind? Jawoll!
Dann erhebt sich ein ungeheures Elterngeschrei: »Raus mit dem Kerl! Das ist Giftmischerei! Unser Junge soll lernen, wie schön die Kriege sind! Wir warten schon drauf, wann wieder ein neuer beginnt – und dazu liefern wir gratis und franko 1 Kind! Jawoll!«
Die Elternbegeisterung ist ganz enorm. Die Mütter: aus Liebe zur Uniform. Die Väter, die Lieferanten für den Schützengraben, denken: warum sollen denn diese Knaben es besser als unsereiner haben? Nicht wahr? Die Fabrikation eines Kindes ist nicht sehr teuer.
Aber erhöh mal ein bißchen die Umsatzsteuer –: dann kreischen die Herren Eltern, dass der Ziegel vom Dache fällt. Man trennt sich leicht vom Kind. Aber schwer vom Geld. Bekommt das Kind einen Bauchschuß? Das macht ihnen keine Schmerzen. Doch ihr Geld – das lieben die Herren Eltern von Herzen. Jawoll!
Mitleid mit den Opfern, die da fallen für Petroleum, für Fahnen, für Gold –? Die Herren Eltern haben es so gewollt.
Geschrieben als Theobald Tiger für die Weltbühne 19.04.1932 Bilder: A. Paul Weber -*1893 - †1980 | ||


![]() | AnneMari | 15.10.26 18:57 |
Kurt Tucholsky: „Blick in ferne Zukunft“ (1930) Rezitation: Bernhard Scheller Und wenn alles vorüber ist –; wenn sich das alles totgelaufen hat: der Hordenwahnsinn, die Wonne, in Massen aufzutreten, in Massen zu brüllen und in Gruppen Fahnen zu schwenken, wenn diese Zeitkrankheit vergangen ist, die die niedrigen Eigenschaften des Menschen zu guten umlügt; wenn die Leute zwar nicht klüger, aber müde geworden sind; wenn alle Kämpfe um den Faschismus ausgekämpft und wenn die letzten freiheitlichen Emigranten dahingeschieden sind –: dann wird es eines Tages wieder sehr modern werden, liberal zu sein. Dann wird einer kommen, der wird eine gradezu donnernde Entdeckung machen: er wird den Einzelmenschen entdecken. Er wird sagen: Es gibt einen Organismus, Mensch geheißen, und auf den kommt es an. Und ob der glücklich ist, das ist die Frage. Daß der frei ist, das ist das Ziel. Gruppen sind etwas Sekundäres – der Staat ist etwas Sekundäres. Es kommt nicht darauf an, dass der Staat lebe – es kommt darauf an, dass der Mensch lebe. Dieser Mann, der so spricht, wird eine große Wirkung hervorrufen. Die Leute werden seiner These zujubeln und werden sagen: »Das ist ja ganz neu! Welch ein Mut! Das haben wir noch nie gehört! Eine neue Epoche der Menschheit bricht an! Welch ein Genie haben wir unter uns! Auf, auf! Die neue Lehre –!« Und seine Bücher werden gekauft werden oder vielmehr die seiner Nachschreiber, denn der erste ist ja immer der Dumme. Und dann wird sich das auswirken, und hunderttausend schwarzer, brauner und roter Hemden werden in die Ecke fliegen und auf den Misthaufen. Und die Leute werden wieder Mut zu sich selber bekommen, ohne Mehrheitsbeschlüsse und ohne Angst vor dem Staat, vor dem sie gekuscht hatten wie geprügelte Hunde. Und das wird dann so gehen, bis eines Tages ... Geschrieben als Ignaz Wrobel für Die Weltbühne vom 28.10.1930 Bilder: Albin Egger-Lienz - *1868 - †1926 | ||


![]() | AnneMari | 15.10.26 19:01 |
Kurt Tucholsky: „Dreh dich hin, dreh dich her, kleine Wetterfahne!“ Rezitation: Jürgen Goslar Der Zeitungsverleger Mülvoß, als welcher ein krummer Jid, sprach: »Wissen Se – ich bin nämlich Antisemit! Sie haben eben keinen Sinn für Wehrhaftigkeit! Ich und mein Blatt, wir gehen mit unsrer Zeit! Mit der Zeit muß man mitgehn!«
Und es erhob sich ein Wispern im Blätterwalde. Und jeder Mitarbeiter fühlte: Warte nur, balde ...! Und die Redakteure bildeten sich im Kunstfliegen aus, und je jüdischer einer hieß, desto raußerer flog er raus. Mit der Zeit muß man mitgehn.
Und siehe, es entdeckten manche Spitzen der Verlegerei, dass es mit dem Militarismus gar nicht so böse sei. Denn wer nicht reiten kann, der ist entweder Pazifist, oder er bewundert alles, was ein Kommißknopp ist. Mit der Zeit muß man stramm stehn.
Aber denkt denn der Druckereibesitzer von solchem Blatt, dass der Adolf Hitler so ein kurzes Gedächtnis hat? Und nimmt nichts mehr krumm? Dumm ist er ja. Aber so dumm ...! Und das ist das Beschämende an diesem Gesindel, das den Faschismus stützt: dass ihm der Umfall auch nicht das geringste nützt. Mit der Zeit werden sie eingehn. Geschrieben als Theobald Tiger für Die Weltbühne vom 16.02.1932 Bilder: A. Paul Weber - *1893 - †1980 | ||


![]() | AnneMari | 15.10.26 19:04 |
Kurt Tucholsky: „O du mein Österreich!“ Rezitation: Jürgen Goslar Wie mußt du es machen? So mußt du es machen: Jahrelang die Bauern aufhetzen, jahrelang auf Straßen und Plätzen Wien verfluchen – »Die rote Gefahr!« und kein Wort davon, wer es eigentlich war, der Österreich in den Kriegstaumel riß . . . kein Wort von den Göttern der Finsternis . . . Teuerung . . . Kirchenglocken . . . Tumult . . . »Wien! das marxistische Wien ist schuld!« Wie mußt du es machen? So mußt du es machen: Den Proleten langsam den Weg verrammeln, alle die Jahre Waffen ansammeln; Heimwehr? An Schloßkaminen geboren; Kulaken, die ihren Krieg verloren . . . von deutschen Faschisten unterstützt, von Pfaffen getrieben und ausgenützt . . . Gegen den wiener Wasserkopf erhebt sich ein tiroler Kropf. Aus dunkeln Quellen fließt Geld – das wirds schaffen . . . Übungen ... Märsche ... und Waffen und Waffen . . . Wie mußt du das machen? So mußt du das machen. Die Verfassung auf den Müll! Marsch auf Wien! Auf sie mit Gebrüll! Heimwehrdrohungen ohne Zahl – aber immer legal, immer legal. Schlagt die Juden tot! Österreich ist arisch! aber immer gesetzlich-parlamentarisch. Vorn ernste Verhandlungen mit Seipel a. D. – und im Hintergrund eine weiße Armee. So kann man dem Arbeiter alles rauben. Das sollten sich mal die Roten erlauben! Drohung? Mit Waffen? Ein Heimarbeitsbund Europa brüllte den Hals sich wund. Revolutionen erleben wir rings von rechts – mit dem Vokabular von links. Und so sind die faschistisch verkleideten Massen Nachtportiers der besitzenden Klassen. Arm soll verrecken – aber reich bleibt reich. O du mein . . . o du mein Österreich –! Geschrieben als Theobald Tiger für Die Weltbühne vom 07.01.1930 Bilder: Gerhard Haderer | ||


![]() | AnneMari | 16.10.26 22:27 |
Hermann Hesse: "Das Leben, das ich selbst gewählt…"Ehe ich in dieses Erdenleben kam, ward mir gezeigt, wie ich es leben würde: Da war die Kümmernis, da war der Gram, da war das Elend und die Leidensbürde, da war das Laster, das mich packen sollte, da war der Irrtum der gefangen nahm, da war der schnelle Zorn, in dem ich grollte, da waren der Hass und Hochmut, Stolz und Scham. Doch da waren auch die Freuden jener Tage, die voller Licht und schöner Träume sind, wo Klage nicht mehr ist und nicht mehr Plage, und überall der Quell der Gaben rinnt. Wo Liebe dem, der noch im Erdenkleid gebunden, die Seligkeit des Losgelösten schenkt, wo sich der Mensch der Menschenpein entwunden als Auserwählter hoher Geister denkt. Mir ward gezeigt das Schlechte und das Gute, mir ward gezeigt die Fülle meiner Mängel. Mir ward gezeigt die Wunde d´raus ich blute, mir ward gezeigt die Helfertat der Engel. Und als ich so in mein künftig Leben schaute, da hört ein Wesen ich die Frage tun, ob ich dies zu leben mich getraute, denn der Entscheidung Stunde schlüge nun. Und ich ermaß noch einmal alles Schlimme – „Dies ist das Leben, das ich leben will !“ Gab ich zur Antwort mit entschloß´ner Stimme Und nahm auf mich mein neues Schicksal still. So ward ich geboren in diese Welt, so war´s als ich ins neue Leben trat. Ich klage nicht, wenn´s oft mir nicht gefällt, denn ungeboren hab´ ich es bejaht. | ||
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